Für Götter ist alles umsonst

Stellt euch mal vor, ihr habt eine „besonders tolle Gabe“ – ihr macht etwas mit Medien. Der Unterschied – ihr macht es ein wenig anders, professionell, ja vielleicht sogar besser als andere, weil sehr viel Herzblut dahinter steckt. Ganz zufällig ist es bei mir die Fotografie, behaupte ich einfach mal. Dabei beschränkt sich das Bild, das am Ende heraus kommt nicht nur auf das Drücken eines Auslösers. Denn zwischen „Ej lass mal Fotos machen, mein Vater hat mir eine Spiegelreflex gekauft“ und dem eigentlichen Fotografieren gibt es doch einen kleinen, aber feinen Unterschied. Diesen sieht man dann spätestens, wenn man die Fotos in der Hand hält oder am Bildschirm begutachtet. Tolle Fotos wollen natürlich alle haben. Aber zahlen? „Wofür? Mein Bekannter hat auch eine Kamera, der macht es umsonst.“

Medien-Kollege und GetAddicted-Chef Jens Becker hat zwar zu einem anderen Medien-Thema ein Beispiel gebracht, aber es passt hierzu auch und ich könnte es nicht besser sagen:

  • „Ihr geht morgens zum Bäcker und holt Brötchen. Nachmittags geht ihr kurz shoppen oder zu IKEA, trinkt noch kurz einen Soja-Caramel-Irgendwas-Frapuccino bei Starbucks, geht anschließend fürs Abendessen einkaufen und werft vorher artig eine Münze in den Parkautomat, parkt euer selbst erstandenes Auto und fahrt anschließend in eure Mietwohnung.
    Ihr tut lauter Dinge, für die ihr selbstverständlich Geld bezahlt, weil ihr dafür ein Gut erhaltet.
    (…)
    Denkt bei eurem nächsten Brötchenholen mal drüber nach, wie der Bäcker reagieren würde, wenn ihr hinter die Theke gehen und euch einfach bedienen würdet. Denkt mal drüber nach, was der Vermieter sagt, wenn ihr einfach keine Miete mehr bezahlt.“

Jetzt dürften alle sagen. „Oh ja, der Jens hat sowas von recht!“ Und trotzdem zappelte folgende Anfrage von Band XY in meinem Postfach. (Ich habe die Anfrage zusammengefasst und angepasst, vom Sinn her aber nicht verstellt):

  • Anfrage xy: „Hey, meine Band würde gerne von dir Fotos machen lassen bei unserem Auftritt am X.XX. in der Kölner Essigfabrik. Interesse und Zeit? XXXXXXXX-Rock, die spielen deutschlandweit, richtig geil!

Meine Aufgabe sollte natürlich das Anfertigen von Live- und Promo-Fotos bei ihrem Auftritt in Köln sein, für den sie natürlich eine Gage erhalten. Man benötige eine schnelle Antwort, weil dringend (!) ein Fotograf gesucht wird. Besonders interessant ist dann dieser Abschnitt:

  • Anfrage xy: „Das wäre für dich ein völlig neues Gebiet, mit sehrrrr vielen Möglichkeiten Cash zu verdienen.
    Die Jungs sind in der Szene Götter! Und dein Name auf ihren Fotos heißt Nachfraaaaage ins Maximum. :)“

Natürlich möchte man, weil man interessiert an dem Auftrag ist, wissen, was sie die Band sich so vorgestellt hat.
Die Antwort kam promt:

  • Anfrage xy: „Du machst die Fotos, mach coole Fotos!! Ende.

Wie anfangs bereits erwähnt, möchte man für sein Gut natürlich auch etwas zurück bekommen.
Da hat die Band XY aber leicht abweichende Vorstellungen von einer „Bezahlung“, welche jeder auf sich selbst wirken lassen darf.:

  • Anfrage xy: „Parallel zu dir schreibt unser Sänger mit dem Xxxxx, ein anderer Fotomensch. Unser Sänger sagt, du sollst froh sein, dass du mit unserem Namen Werbung machen kannst. Sprit, dein Eintritt usw. geht ja auf uns. Nur für die Fotos, ich meine da kommt dein Wasserzeichen drauf und wird auf dutzenden Foren wie www.xxxxxxxxx.de usw. veröffentlicht. Das wird dir dann sehr viel Cash einbringen. Der andere Typ macht es wohl umsonst.

Liebe Band XY, versuch bitte beim nächsten Gang zum Bäcker folgendes: Sagt ihm „Wir sind Götter in der Szene und erzählen allen von deinem Brötchenverkauf. Das bringt dir Nachfrage ins Maximum und ganz viel Cash.“ Dann bekommt ihr sicher auch eure Brötchen umsonst und könnt euren ausschweifenden Lebensstil in den verschiedenen Foren und auf den Bühnen in ganz Deutschland weiterleben.

Aber bitte ohne mich, denn ich müsste mir jetzt schon überlegen, wie ich zum Beispiel meinem Vermieter erklären werde, wie er meine „Nachfrage ins Maximum“ in den monatlich fälligen Mietbetrag umrechnen muss.

-Arek

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  1. Solch eine ähnliche Geschichte, hatte ich vor ein paar Monaten mit einem Bekannten Szenesportler…

    Solche Ideen / Gedanken finde ich äußerst abartig… Das was ich mache kostet Zeit, meine Zeit kostet Geld. (Dabei klammer ich jetzt mal freie Arbeiten aus…)

    Ich glaub nur das dies mittlerweile oft die Realität ist. Viele machen Fotos und können den Aufwand dahinter gar nicht mehr wirklich abschätzen. Lieschen Müller hat schließlich auch eine Kamera…

  2. Tees

    Ihr solltet nicht auf die Leute schimpfen, die es für umsonst haben wollen, sondern auf die, die es für umsonst machen.

  3. Petra Schwarz/ Fotografin bei schwarzexklusiv

    Du hast absolut recht und ich könnte noch ein paar Geschichten dazu schreiben. Auch gebe ich Tees recht, mit welcher Selbtherrlichkeit manche draußen agieren. Also weitermachen und sich vor Schnorrern in acht nehmen. L G
    Petra

  4. Pingback: Für Götter ist alles umsonst | et voilà

  5. Leider ist es oft in der Pressefotografie so das diese entweder unterbezahlt oder einfach überhaupt nicht wertgeschätzt wird. Viele sehen die Dienstleistung die mit dahinter steckt überhaupt nicht, mal abgesehen von dem Equipment (das ist ja durch nichts einfach vorhanden)… ich hatte neulich eine Anfrage für eine Veranstaltung die so wenig bezahlen wollten das ich beim runterrechnen der Fotos auf Centbeträge gekommen wäre und die Arbeitszeit nicht einmal dabei gewesen wäre!

    Liebe Grüße aus Leipzig,
    Lydia

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